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Rafael de la Rubia - Wellington, den 2 Oktober 2009

Wir marschieren bereits 93 Tage!
2. Oktober 2009
2. Januar 2010

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PUNTA DE VACAS 2010 - Nützliche Information
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Heute am 02. Oktober 2009, am 140. Geburtstag von Mahatma Gandhi, dem Internationalen Tag der Gewaltfreiheit,  starten wir hier in Ozeanien, in Wellington den Weltweiten Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit.

Neuseeland, das östlichste Land des Planeten, ist für die gesamte Welt ein Vorbild in Sachen Kampf für Frieden und Abrüstung, denn die Neuseeländer haben sich vom Joch ausländischer Stützpunkte und Atomwaffen befreit.

An diesem, weit von den Machtzentren entfernten Ort, starten wir diese weltweite Aktion. Wir kommen gerade noch weiter aus dem Osten her, von den Chatham Inseln (Rekohu), dem Ort, der die ersten Sonnenstrahlen erblickt, der Ort an dem der Planet den Tag beginnt. Dort haben wir diese Rundreise, die einen symbolischen Wert, darstellt mit Freunden einer uralten Kultur, den Moriori, begonnen,

Dieser Weltweite Marsch, der von einigen als die größte Demonstration für Frieden und Gewaltfreiheit, bezeichnet wird, wird mehr als 100 Länder auf den 5 Kontinenten bereisen, etwas vorher in der Geschichte der Menschheit nie dagewesenes. Der Marsch wird am 2. Januar 2010 im Park zum Studium und zur Reflektion in Punta de Vacas am Fuße des Aconcagua, dem Dach des Westens, enden.

Wir möchten, dass so wie hier der Tag für den ganzen Planeten beginnt, für die gesamte Menschheit ein neuer Tag in einer Welt ohne Atomwaffen und Kriege beginnt.

Freunde, ihr alle wisst, wie hier in Wellington beginnt heute in vielen Städten, Dörfern, sogar auf kleinen Höfen, dieser große Marsch mit einer Vielfalt an Aktionen. Einen herzlichen Gruß sende ich euch von den Freunden aus Australien, den asiatischen Ländern, Afrika, den europäischen Freunden, den Freunden aus Nordamerika und den Freunden aus Südamerika.

Dieser Marsch hat bereits unser Bewusstsein berührt. Wir werden entschieden für das Verschwinden der Kriege und der Gewalt arbeiten. Diese Sehnsucht, die von der Mehrheit der Menschen seit der Antike im Herzen getragen wird, gewinnt heute einen neuen Sinn, denn wir können die Stimmen des gesamten Planeten zu einer einzigen Stimme vereinen. Nie zuvor gab es diese Möglichkeit.  Dieser Marsch kann zu einem nie dagewesenen Phänomen werden, das uns in einen neuen historischen Moment führt.

Woher kommen wir? In unserem kollektiven Gedächtnis sind die Kriege, die Eroberungen, die Besatzungen immer noch Haupt Bezugspunkte in unserer Geschichte. So wird es in den Schulen gelehrt. Gewalt wird immer noch als höchste Gallionsfigur für Ehre und Werte verherrlicht. Das hat uns in diese allgemeine Gewaltsituation gebracht, in der eine destruktive Kraft aufgezwungen wird. Welche Länder entscheiden auf internationaler Ebene? Die, die mehr Zerstörungsmacht haben. Diese Macht vermischt sich heute mit weiteren, die militärische Macht bewegt die Wirtschaft, die ihrerseits die Kommunikationsmedien kontrolliert und alle manipulieren letztendlich die politische Macht. Diese Gewalt ist zu einem ganzen Komplex geworden, der angefangen auf Regierungsebene und institutioneller Ebene alle Lebensbereiche der Gesellschaft durchdringt.

Dabei ständen der Menschheit, durch den im Laufe der Geschichte gespeicherten Fortschritt, heute die Mittel zur Verfügung einen gigantischen Schritt zu tun und für die gesamte Menschheit Nahrung, Wasser, Gesundheitsversorgung, minimalste Wohnbedingungen und eine ausreichende und würdige Bildung zu garantieren. Aber obwohl man diese Möglichkeit hat, werden die Mittel in einem unverhältnismäßigen Maße in die Entwicklung von Waffen und in die Militarisierung investiert. Dieses Schröpfen der Ressourcen führt außerdem zu einem Rückgang der Lebensqualität der Mittelklasse an allen Orten des Planeten. Dabei werden die schwachen Glieder der Gesellschaft, wie die jungen Leute, die Kinder, die Frauen und die Älteren Mitmenschen immer mehr benachteiligt.

Der Weltweite Marsch startet in dem Jahr, in dem das System die größte Wirtschaftskrise erlitten hat. Wir alle haben die Einschränkungen durch die Rezession gespürt, nichts desto trotz wurde der geschichtliche Rekord an Rüstungsausgaben erneut übertroffen.

 

Auf dem ganzen Planeten wächst der Unmut. Was tun die Regierungen dann im Allgemeinen? Sie steigern den Druck, militarisieren, machen immer mehr Kontrollen bis sie so extrem werden, dass sie nicht mehr tragbar sind.

Es fehlt auch nicht an Hitzköpfen unter den Regierenden und auch bei den Wirtschaftsgruppen des Militärindustrie Komplexes, der Schattenmacht. Sie alle sehen als Ausweg aus diesem „Chaos", das sie selbst geschaffen haben, die bewaffnete Konfrontation. So machen sie es schon seit Jahrhunderten. Ihre Lösung lautet „große Krisen bedürfen großer Kriege".

Aber jetzt geht die Sache weit darüber hinaus. Es gibt Länder, die von der Möglichkeit „kontrollierter" Atomangriffe in konventionellen Kriegen sprechen. Es gibt Gruppen, die versuchen uns in einen dritten Weltkrieg zu verwickeln. Sie wollen die Menschheit wieder in Angst und Schrecken versetzen, damit die weltweite Vorherrschaft für die nächsten 60 oder 70 Jahre geklärt ist. Sie wollen ein neues Hiroshima und Nagasaki, um ihre abnehmende und überholte Macht zu sichern. Sie bezeichnen sich selbst als zivilisiert.

 

Aber die Geschichte hat ihre Biegungen und ihre Richtungsänderungen. Gleichzeitig gibt es noch andere Dinge, nicht alles ist negativ, neue Möglichkeiten ergeben sich. Heute kann man auch eine Prise der Veränderung auf der Welt spüren. Der Duft der Hoffnung auf etwas Neues liegt wieder in der Luft.

Es gibt hunderttausendmillionen Gründe, so unzählige, wie es Tote in der menschlichen Geschichte gibt, die fordern "Schluss jetzt". Lasst uns die Gewalt definitiv abschaffen. Wir wollen eine Welt ohne bewaffnete Aggressionen, ohne Invasionen, eine Welt, in der die Rüstungsausgaben gesenkt werden. Lasst uns die Militärhaushalte für das Wohl der Zivilgesellschaft ausgeben. Denn sie braucht dies so sehr! Lasst uns endlich die Funktion der Armeen neu konzipieren, als eine Stütze für die Bevölkerung bei Katastrophen, für humanitäre Hilfen, etc. Schluss mit Kriegsarmeen, lasst uns Armeen für den Frieden aufbauen.

Freunde, dies ist ein Marsch ohne Wiederkehr. Dies ist ein Marsch, der erst wieder anhalten wird, wenn die Kriege auf der Welt beendet sind. Das ist der Marsch der Menschen, die der Gewalt müde sind. Dies ist ein Marsch, von weit her kommt. Dieser Marsch begann in dem Augenblick, in dem ein Mensch einem Anderen Gewalt angetan hat. Er entstand in jenem Stamm, der einen anderen, schwächeren überfallen hat. Dort liegt der Ursprung dieser Gewalt, die immer wieder neu entsteht, wenn wir den Menschen in unserer Umgebung Gewalt antun, wenn die eine Gruppe eine andere diskriminiert, wenn Macht benutzt wird, um zu unterdrücken, zu kontrollieren und aufzuzwingen. Immer dann, wenn wir andere nicht behandeln wie wir behandelt werden möchten.

Dieser Marsch wird die Welt bereisen und auf die große Gefahr aufmerksam machen, in der wir uns befinden. Aber er weist auch auf eine Möglichkeit hin vor der stehen, die  „menschliche Steinzeit" zu verlassen.

Um dieses "Schluss jetzt" zu fordern marschieren wir los und hoffentlich endet dieser Marsch nicht bevor Atomwaffen und Kriege von der Erde verschwunden sind.

Wir rufen alle auf, die einen pazifistischen und gewaltfreien Kampf führen, alle, die in irgendeinem Moment ihres Lebens gegen die etablierte Gewalt rebelliert haben, alle, denen Gewalt angetan wurde und die nicht die Kraft hatten zu rebellieren, alle die ihre gesellschaftlichen Ideale gescheitert sehen, alle guten Leute dieser Welt, egal woher sie kommen, welche Farbe sie haben, oder welche Fahne sie tragen, was uns vereint ist die Zukunft.

Wir werden Regierungen und Institutionen besuchen, um mit ihnen über diese Dinge  zu sprechen und wir werden ihnen unser Manifest übergeben, aus dem ich euch jetzt ein Stück vorlesen werde:

 

 

Präsidenten und Premierminister der Vereinigten Staaten von Amerika, der Russischen Föderation, der Volksrepublik China, der französischen Republik, von Großbritannien, von Indien, Pakistan, der Volksrepublik Korea und des Staates Israel:

 

In diesem Moment der Entscheidung über die menschliche Zukunft tragen sie die Verantwortung. Sie werden zwischen Geschichte und Steinzeit entscheiden, zwischen Vermenschlichung und Verrohung, zwischen einer Erde für alle oder einer Welt voller Sklaven, zwischen einer blühenden Erde oder einer verseuchten Wüste. Sie sind verantwortlich für die gesellschaftliche Atmosphäre, die in den nächsten Jahren herrschen wird.

 

Wir fordern sie heute auf, in ihre Verteidigungs- und Außenpolitik folgende Punkte als Priorität aufzunehmen:

 

   •  Weltweite atomare Abrüstung

   •  Sofortiger Rückzug der Invasionstruppen aus den besetzten Gebieten

   •  Die progressive und proportionale Abrüstung konventioneller Waffen

   •  Die Unterzeichnung von Nichtangriffspakten zwischen den Ländern und

   • Den Verzicht auf den Einsatz von Krieg als Mittel zur Konfliktlösung seitens der Regierungen.

 

Hier ist nun der Moment gekommen um zu danken und an alle zu erinnern, die diesen Weltweiten Marsch möglich gemacht haben. Vor etwas mehr als zwei Jahren, haben wir mit ein paar Wenigen angefangen, denen sich andere, noch andere und noch andere angeschlossen haben. Auf eine sanfte Art, ohne Mittel, ohne die Unterstützung der Mächtigen oder der Unternehmen, von „Mund zu Mund" hat sich die Idee verbreitet, bis sie zu einer „Möglichkeit" wurde, danach wurde sie zu einer „Gewissheit", die zu einer Inspiration für viele Menschen wurde. Das ganze rollte immer weiter, bis fast 100 Länder erreicht waren. Entstanden aus der Organisation Welt ohne Kriege haben sich in kurzer Zeit hunderte und heute tausende Organisationen angeschlossen. Wir danken den Humanisten dieser Welt, ihren Organismen und Aktionsfronten. Wir danken dem weltweiten Netz der Bürgermeister für den Frieden, Federico Mayor Zaragoza von der Stiftung Kultur für den Frieden, dem Netz der Parlamentarier für Atomare Abrüstung, dem Netz Abolition 2000, dem Gipfel der Friedensnotbelpreisträger, um nur einige zu nennen. Es sind tausende Intelektuelle, Künstler, Akademiker, Sportler, die sich diesem WWM angeschlossen haben, zusammen mit Präsidenten, Bürgermeistern und spirituellen Führern. Wie sollten wir nicht an M. Gandhi und auch an M. Luther King, als höchste Vertreter der Gewaltfreiheit erinnern. An Mario Rodriguez Cobos (Silo) den Gründer des Universalistischen Humanismus. Ohne euch alle wäre dieser WWM nicht möglich gewesen. Aber die großen Hauptdarsteller dieses Marsches sind die hundertausende und wir hoffen es werden Millionen werden, anonyme Menschen, die "Unsichtbaren dieser Welt", die letztendlich unter der Gewalt in all ihren Formen leiden. Das ist der Marsch all der Menschen, die nie marschiert sind, all jener, die sich nie ausgedrückt haben, die aber denken die Zeit sei gekommen, um dieser ganzen Barbarei ein Ende zu bereiten und dies das erste Mal in der Geschichte weltweit.

Freunde zum Schluss möchte ich auf eine Erzählung verweisen, die viele in diesem Marsch inspiriert und eine große Bedeutung hat:

In den dunklen Zeiten drangen die ersten Bewohner in unwirtliche und unbekannte Gebiete vor um Nahrung und Unterkunft zu suchen, dort kämpften sie gegen die wilden Tiere, die Elemente und die Naturkräfte. Dies geschah über Jahrtausende hinweg. Gegen Ende dieser Zeit hatten sie die gesamte Erde bevölkert.

Zu anderen Zeiten suchten sie Reichtum, Besitztümer und Abenteuer. Einige Völker unterwarfen andere Völker. Sie massakrierten und versklavten sie, bemächtigten  sich ihrer Besitztümer, ihrer Ressourcen, ihrer Körper und auch ihres Geistes. So fuhren sie fort zu tun auf der Welt bis heute, sie sähen Unterwerfung, Hunger, Misere, Krankheit und Schmerz, sehr viel Schmerz.

Aber jetzt kommt die Zeit der Erneuerung, der Mensch wird wieder den ganzen Planeten bereisen. Nicht um seinen Hunger zu stillen, oder andere zu versklaven oder sie zu unterwerfen. Sondern um die Hand auszustrecken und den Bruder zu erkennen, um sich zu versöhnen, um teilzunehmen, um die Grundlagen für eine neue Kultur, eine neue Zivilisation zu schaffen, die es niemals zuvor auf der Erde gab, um entschieden eine universelle menschliche Nation aufzubauen.

 

Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem der Mensch sich entschieden hat aufzustehen. Alle Rassen, Glaubensgewissheiten und Generationen arbeiten zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit zusammen an einer gemeinsamen Sache: einem großen Marsch, der die Welt bereist und das Bewusstsein und Herz der Menschen berührt....

 

Freunde.... Lasst uns marschieren und nicht anhalten bis wir unser Ziel erreicht haben!

 

Eine Welt ohne Kriege und ohne Gewalt!!!

Es lebe der Weltweite Marsch für Frieden und Gewaltfreiheit!

 

Rafael de la Rubia

Wellington 2. Oktober 2009

 

 


Rafael de la Rubia
Wellington 2 of October of 2009

 


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